D+18: 2 Wiederaufnahmen

Heute gab es gleich 2 „Premieren“:

– Nach 2 Wochen Essen aus der Tüte (intravenös) habe ich heute erstmals wieder einen Yoghurt auf normalem Weg zu mir genommen.

– Nach mehr als 2 Wochen Pause habe ich auch mal wieder mein Ergometer hier im Zimmer benutzt. Obwohl ich das ziemlich gemütlich angegangen bin, habe ich doch nicht lange durchgehalten. Muss ich wohl öfter machen…

Morgen entscheidet sich mit dem Differentialblutbild, ob ich vielleicht schon mal ab und zu das Zimmer und die Station verlassen darf – natürlich noch mit Schutzmaske.

D+15: Nichts Neues

Alle Blutwerte bewegen sich langsam in die richtige Richtung, Gewicht und Blutdruck passen auch.

Das einzige, was ich mir noch nicht so richtig vorstellen kann, ist normales Essen und Trinken. Das gibt es noch fast ausschließlich über Infusionen.

D+5: Fastenzeit

Nein, fasten muss ich natürlich nicht. Da jedoch keine feste Nahrung mehr runterrutschen will, habe ich heute bis auf weiteres die Essenslieferungen aus der Diätküche abbestellt. Mein Frühstück, Mittagessen und Abendessen schaut jetzt so aus:

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und läuft direkt über den Venenkatheter ein. Noch verursacht das Schlucken keine Schmerzen, aber auch dagegen steht schon ein Mittelchen bereit.

Die gestrige Extrapackung Thrombozyten war wohl schnell aufgebraucht, denn heute morgen hatte ich etwas Nasenbluten. Also gab es heute schon wieder ein Tütchen Thrombos.

Ansonsten angesagt: Nichtstun …

D+4: Geduld

Herr, gib mir Geduld, aber bitte sofort!

 
Ja, geduldig zu sein fällt schwer, wenn ich daran denke, dass ich heute am Tag D+4 bin, und erst in ca 10 Tagen mit einer Aktivität der neuen Stammzellen zu rechnen ist.

Das Essen reduziert sich vor allem auf Obst und Infusionsbeutel, der sonntägliche Frühstückshefezopf wollte heute nicht hinunter. Zusätzlich gab’s heute das 3. Thrombozytenkonzentrat, und eventuell kommen noch zwei Beutel roter Blutkörperchen. Dann sind die meisten Speicher wieder gefüllt – bis auf die Leukozyten, die wohl derzeit nicht mehr nachweisbar sind.

Trotz allem verläuft aber wohl immer noch alles nach Plan, die Ärztin hat heute morgen gemeint, man würde mir gar nicht ansehen, dass sie überhaupt etwas mit mir angestellt hat.

D+3: Ein Hoch auf das Pflegeteam!

Nach einer etwas erholsameren Nacht schaut die Welt doch schon ganz anders aus. Die Ernährung ist umgestellt auf Obst, Pudding, Yoghurt und Infusion (der Stuhlgang schaut entsprechend aus, auch hier verzichte ich lieber auf die Bebilderung, um keine Leser zu vergraulen). Von der großen Hitzewelle da draußen bekomme ich nur im Fernsehen was mit, dank Klimatisierung ist die Temperatur hier drinnen sehr angenehm.

Das Pflegeteam hier muss mal ausdrücklich gelobt werden. Bei auftretenden Problemen beraten sie gleich, was man tun könnte, und bereiten mir dann z.B. gefrorene Fruchtsaftkugeln zum Lutschen vor oder besorgen mir zuckerfreien Kaugummi. Super, bei der dünnen Personaldecke und dem Arbeitsaufwand! (Und das schreibe ich hier nicht, um mich einzuschmeicheln – hallo an alle Mitlesenden der Station 3/0 😉 ).

Risiken und Nebenwirkungen, Regeln

Ich habe jetzt (endlich) mal die Informationsblätter durchgelesen, die man mir vor Wochen bei der Stationsbesichtigung und beim Vorgespräch mitgegeben hat. Die Regeln unmittelbar vor, während und nach der Stammzellentransplantation sind schon sehr streng, da vor allem die Infektionsgefahr in den ersten Tagen nach der Transplantation extrem hoch ist, und auch noch Monate danach erhöht ist. Dazu kommt noch die Gefahr einer Graft-versus-host-disease (GVHD), wo die fremden Immunzellen eigenes Körpergewebe schädigen und natürlich die üblichen möglichen Nebenwirkungen der Chemotherapie.

Es gibt jede Menge Hygieneregeln wie z.B. Desinfizierung von allem Mitgebrachtem, Körperpflege, Händedesinfektion bei vielen Gelegenheiten, nichts vom Boden aufheben, intensive Mund- und Hautpflege, häufige Kleidungswechsel. Mitbringen soll man möglichst nur, was abgewischt werden kann, Bücher und Zeitschriften sollten neu sein.

Dazu gibt es viele Ernährungsregeln. Von Anfang an wird es nur keimreduzierte Kost geben, allerdings kann man wohl selbst täglich durch einen Anruf in der Diätküche seinen Speiseplan mitbestimmen. Prinzipiell muss alles entweder gut durchgegart sein oder dicht verpackt sein. Eine ganze Reihe von Lebensmitteln sind auch ganz verboten wie z.B. Rohmilchprodukte, die meisten Wurstsorten, vieles mit Eiern, Nüsse, Salat, und, und, und … Einige dieser Regeln gelten auch noch für Monate danach.

Für die Zeit danach gelten außer den Essensregeln noch Einschränkungen bzgl. Kontakt mit anderen, Putzen, Pflanzen, Tieren, Körperpflege, Schwimmen, Sonne, Impfungen.

Ich habe diese ganzen Informationen leider nur auf Papier. Wer sich ein ungefähres Bild machen will, kann z.B. das Informationsblatt der Freiburger Uniklinik anschauen, im wesentlichen dürfte das mit meinem übereinstimmen, es fehlen nur die Essensregeln.