D+18: 2 Wiederaufnahmen

Heute gab es gleich 2 „Premieren“:

– Nach 2 Wochen Essen aus der Tüte (intravenös) habe ich heute erstmals wieder einen Yoghurt auf normalem Weg zu mir genommen.

– Nach mehr als 2 Wochen Pause habe ich auch mal wieder mein Ergometer hier im Zimmer benutzt. Obwohl ich das ziemlich gemütlich angegangen bin, habe ich doch nicht lange durchgehalten. Muss ich wohl öfter machen…

Morgen entscheidet sich mit dem Differentialblutbild, ob ich vielleicht schon mal ab und zu das Zimmer und die Station verlassen darf – natürlich noch mit Schutzmaske.

D+17: Leukozyten über dem ersten wichtigen Grenzwert

Gestern abend habe ich eine Neupogenspritze bekommen, und diese erste Spritze hat voll reingeschlagen. Innerhalb einer Nacht sind die Leukozyten von 0,26 auf 1,05 gesprungen – und dies sogar ohne die erwarteten Knochenschmerzen, die hat das bisschen Morphin wohl abgeblockt. Nach Brentuximab ist Neupogen mein zweites Lieblingsmedikament.

Jetzt bleibt noch abzuwarten, ob der Thrombozytenanteil auch ohne weitere Transfusionen ansteigen kann.

Wenn ich mich dann noch dazu entschließen kann, normal zu essen, rückt meine Entlassung langsam in greifbare Nähe.

D+16: Neupogen

Da die Ärztinnen überzeugt sind, dass meine verbliebenen Probleme sich rasch bessern werden, sobald ausreichend weiße Blutkörperchen sich in meinem Blut tummeln werden, gibt es ab heute chemische Unterstützung in Form einer täglichen Neupogen-Spritze. Ich bin mal gespannt, wie schnell das unter den aktuellen Umständen wirkt. Ich kenn’s ja schon von meiner eigenen Stammzellensammlung im letzten Jahr, dabei haben die Leukozyten sehr schnell ungeahnte Höhen erreicht. Als Nebenwirkung verursacht es heftige Knochenschmerzen, aber dagegen gibt es ja Morphin …

D+15: Nichts Neues

Alle Blutwerte bewegen sich langsam in die richtige Richtung, Gewicht und Blutdruck passen auch.

Das einzige, was ich mir noch nicht so richtig vorstellen kann, ist normales Essen und Trinken. Das gibt es noch fast ausschließlich über Infusionen.

D+14: neue Sommerfrisur

Heute morgen waren fast mehr Haare auf dem Kopfkissen als auf der Kopfhaut. Deshalb durfte die stationseigene „Friseurin“ mit der Maschine ran und verpasste mir diesen modischen Kurzhaarschnitt:

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Damit werde ich wohl gut durch den heißen Sommer kommen.

Der Thrombozytenspeicher musste heute schon wieder nachgefüllt werden, die Leukozyten sind weiterhin selbstständig auf dem Weg nach oben. Normales Essen sollte nach derzeitiger Planung ab dem Wochenende wieder in Betracht gezogen werden.

D+13: Es geht aufwärts!

Die Leukos haben sich von gestern auf heute fast verdoppelt und erreichen jetzt den Wert von 0,2. Damit haben sie endgültig den Bereich statistischer Schwankungen verlassen. Weiter so! In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob sie sich schon mit den sie umgebenden Zellen angefreundet haben oder sie noch als Fremdkörper bekämpfen.

Bei den Thrombozyten gibt es noch keine eindeutige Aussage, da ich gestern noch eine Transfusion erhalten habe und eigene und fremde Thrombozyten sich vermischen.

2.  Besuch der Klinikclowns: seit ihrem Auftritt vor 2 Wochen lesen sie fleißig hier mit und haben deshalb auch die Antwort auf Ulrikes Frage mitgebracht. Die Blumengirlanden sind aus Stoff und verlassen die Station nicht.

D+12: Papierkrieg III

Gestern hat mir ein Postbote die seit 2,5 Wochen liegengebliebene Post von zu Hause mitgebracht. Hier seht Ihr die neue schicke Postboten-Berufskleidung:
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Zuerst die gute Nachricht:
Nach meiner Aussteuerung aus dem Krankengeld zum 31.7. erklärt sich die Agentur für Arbeit bereit, mir bis 10/2014 Arbeitslosengeld zu zahlen. Damit bin ich auch weiterhin krankenversichert.

Dann die weniger gute:
Die Rentenversicherung Bund findet zu meinem Antrag auf Erwerbsminderungsrente immer neue Formulare, die ich auch noch ausfüllen soll, bevor sie etwas entscheidet (oder gar zahlt).

Schließlich die lustige:
Die Rentenversicherung Bayern Süd teilt mir mit, dass sie nicht für meinen Antrag vom 24.7. auf onkologische Nachsorgeleistung zuständig ist. Das wäre ja schön und gut, nur habe ich nie einen Antrag auf onkologische Nachsorgeleistung gestellt, ich habe nie einen Antrag bei der RV Bayern Süd gestellt, und schon gar nicht am 24.7. – das war mein Tag D0, da hatte ich Besseres vor. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich zudem niemand.

Im medizinischen Bereich gibt es gute Nachrichten. Die Leukozyten haben wieder die erste Nachkommastelle erreicht, sind damit wieder im „zählbaren Bereich“ angekommen. Das Fieber hat sich gelegt, der Blutdruck ist in seiner normalen Schwankungsbreite, nur das Gewicht ist noch zu hoch (d.h. es gibt noch zuviel Wassereinlagerung). Insgesamt aber schon sehr positive Werte heute.

D+11: Wortschatzerweiterung

Seit gestern abend habe ich meinen Wortschatz um 2 Wörter erweitert. Zuerst bin ich beim Auffiebern ertappt worden, d.h. meine Körpertemperatur hat sich langsam Richtung Fieber bewegt. Bei Überschreitung der 38º-Grenze wurden einige Aktionen ausgelöst:

– Der diensthabende Nachtarzt hat sowohl am Katheter als auch über eine Venennadel Blutproben abgenommen, die jetzt als Kulturen angesetzt werden, um eventuell Keime zu finden, die man gezielt bekämpfen kann.

– Ich wurde auf andere Antibiotika umgestellt.

– Ich wurde zum Thorax-Roentgen angemeldet. Meine Erwartung, dass ich dann mal mein Zimmer verlassen und überprüfen könnte, ob es noch eine Welt außerhalb meiner 4 Wände gibt, wurde jedoch enttäuscht, weil die Bettlunge zum Einsatz kam. Das ist ein fahrbares Roentgengerät, das mit etwas Mühe und Geschick ins Zimmer geschoben wurde. Ich musste mich mit dem Rücken auf eine Platte legen, dann wurde von oben die Aufnahme gemacht.

Erste Ergebnisse:

Roentgenbild ok, Temperatur inzwischen wieder gesunken.
Blutkulturen brauchen ein paar Tage zum Wachsen.

D+10: Weiter wie D+9

Der neue Tag hat nichts Neues gebracht, nur die schon vorhandenen Beschwerden wurden zum Teil etwas heftiger.

Die Schluckschmerzen haben sich verschlimmert, die Morphin-Dosis wurde daher leicht erhöht.

Ansonsten hält die Dürreperiode im Mund weiter an, bei gleichzeitiger Flut im Gewebe und in den Blut- und Lymphbahnen. Immerhin gab es heute keine Transfusionen.

Ein paar Tage muss ich noch durchstehen (oder vielmehr -liegen), dann könnten die neuen Stammzellen sich bemerkbar machen.

D+9: Kampf gegen das Wasser

Da mein Gewicht heute neue Höchststände erreicht hat, gab es gleich 3mal Lasix, zusammen mit jeder Menge Kochsalzlösung. Somit sollten die Nieren ausreichend zu verarbeiten haben, und der derzeit grenzwertige Creatinin-Wert sich endlich normalisieren.

Immerhin konnte ich die letzten Nächte auch ohne Tablette einigermaßen schlafen, zumindest in 2-Stundenpaketen, zwischen denen ich den Mund befeuchten muss und/oder die Nieren entwässern muss.